Geschichte des 11.11.

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Chronik

Da in wenigen Tagen wieder die fünfte Jahreszeit beginnt, hier nun ein paar geschichtliche Hintergründe zum Karneval / Fasching.

 

Wie ist der Karneval eigentlich entstanden?

Am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt heutzutage die Fastnachtszeit oder die Karnevals-Saison. Interpretationen der Zahl gibt es viele. Zum einen gilt die Zahl als Symbol der Sünde und mahnt zur Umkehr. Sie ist die erste Zahl, die die zehn Gebote überschreitet. Zum anderen bedeutet die 1 plus 1 die Einheit und Gleichberechtigung aller Jecken im Karneval. Die Elf hat auch einen politischen Bezug. Seit der Französischen Revolution steht ELF für E = Egalité, L = Liberté und F = Fraternité (Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit).

 

Mit Karneval ist in erster Linie die rheinische Variante in den Hochburgen von Köln, Düsseldorf und Mainz gemeint. Der Ursprung des Wortes ist umstritten: Der Spruch der Fastenzeit „carne vale“ (aus dem Lateinischen), der „Fleisch lebe wohl“ bedeutet, ist vermutlich der Ursprung des Wortes  „Karneval“.

Das Wort Fastnacht und seine regionalen Abwandlungen wie Fassenacht, Fasnacht, Fasnet,  Fasent, Faslam werden vor allem in Hessen und Rheinhessen, in der Pfalz, sowie in Baden, Schwaben und dem Saarland verwendet. Fasching heißt es eher in Bayern, Sachsen und in Norddeutschland.


Die Fastnacht bezeichnete ursprünglich den letzten Tag (später die letzte Woche) vor dem Beginn der Fastenzeit. In der christlichen Tradition hatte dieser Tag eine besondere didaktische Bedeutung: Die gotteslästernden Ausschweifungen in der Fastnacht sollten die Herrschaft des Teufels symbolisieren – die jedoch nur einen Tag anhielt, was die Vergänglichkeit des Teufels und des Menschen zeigte. Denn am Aschermittwoch waren die rauschenden Feste vorbei....! Dies verdeutlichte die unausweichliche Umkehr zu Gott.

 

Wann ist Karneval?

Der Karnevalstermin ist unmittelbar mit dem Ostertermin verbunden. Der Aschermittwoch ist kein fester sondern ein beweglicher Termin. Als feste Berechnungsgröße dient das Osterfest.

 

Die Urchristen feierten ihr Osterfest gemäß der jüdischen Tradition am 14. Nisan  (die quarta decima) Passah. Dabei war es unerheblich, ob dieser Tag auf einen Sonntag fiel.

 

Im Westen hingegen wurde 325 auf dem Konzil von Nicäa die Entscheidung getroffen, daß die Christen ihr Osterfest am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern. Der Ostertermin schwankt zwischen dem 22. März und 25. April (Ostergrenze). Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit (Quadragesima) dem Osterfest voran. Somit werden Ostern und Fastenzeit zu beweglichen Terminen.

 

In Bezug auf das Fasten Jesu in der Wüste führte Papst Gregor I. um 600 eine 40tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern.

 

Mit der Synode von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs (Wochen-)Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch vor. Die Karnevalszeit endet seitdem am Dienstag nach dem 7. Sonntag vor Ostern und die Fastenzeit beginnt mit dem folgenden Mittwoch, dem Aschermittwoch.

 

Geschichtlicher Hintergrund

Bei den Christen gilt die Fastenzeit als sogenannte gebundene Zeit. Die Christen sind an Verplichtungen wie die Pflicht zum Fasten (= Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte und Eier), Mitfeier der Karwoche und der österlichen Gottesdienste, Teilnahme an der Osterbeichte.

 

Die närrische Zeit umfaßt eigentlich nur 6 Tage (Weiberfastnacht bis Veilchendienstag). Diese Tage der Ausgelassenheit und des Feierns beziehen ihren Sinn von der ab Aschermittwoch folgenden Fastenzeit. Während die Fastenzeit eine Zeit des Geistes und der Vorbereitung auf Leiden, Sterben und Auferstehung Christi ist, spielt die Fastnacht vor dem Schwellentag „Aschermittwoch" sprichwörtlich verrückt.

Im Gegensatz dazu hat sich der rheinische Karneval als Gegnerschaft zur napoleonischen und preußischen Besatzung entstanden. Der Elferrat weist auf den elfköpfigen Jakobinerrat der französischen Revolution hin, der sich durch die Zahl von den 12 Aposteln unterscheiden wollte.

 

Was bedeuten Alaaf und Helau?

Wenn der Kölner "Alaaf" ruft meint er „all ab“. "Kölle alaaf" heißt daher soviel wie „Köln vor allen oder allem anderen“. Der Düsseldorfer Karnevalsruf "Helau" (und damit unser Ruf) leitet sich wahrscheinlich aus dem Zuruf "hell auf" her - „hell“ bedeutet hier gescheit.

 

Der Karneval im Wandel der Jahrhunderte

Das närrische Fest hat eine lange Tradition. Ob nun in Mesopotamien im 3. Jahrhundert vor Christus oder im antiken Rom zu Ehren des Gottes Saturn (Saturnalien): all diese vorchristlichen öffentlichen Feste haben mit dem heutigen Karneval etwas gemeinsam! Jedermann konnte mitfeiern und sich ohne Einschränkungen zu Wort melden, da die bestehende gesellschaftliche Ordnung außer Kraft gesetzt wurde. Sklave und Herr, Mächtiger und Untertan tauschten zeitweise sogar ihre Rollen. So wie auch heutzutage die Narren mit Hilfe von Kostümen, Perücken und Schminke in „ eine andere Haut schlüpfen“, die Rathäuser „stürmen“ und statt des Bürgermeisters bis Aschermittwoch „regieren“.

 

Es gibt verschiedene Theorien über den Ursprung des Karnevals. Zum einen soll der Karneval seinen Ursprung in den heidnischen Bräuchen der Kelten, Römer und Griechen haben, zum anderen ausschließlich in der christlichen Feier der Fastnacht, also in der Nacht vor dem Fastenbeginn. Vorstellbar ist, dass die heidnischen Bräuche und Sitten in den christlichen Kontext übernommen und integriert wurden. So kann man z. B. die Kostüme und Masken erklären: Im Frühjahr verkleideten sich die Kelten mit Masken der Fruchtbarkeitsgottheiten, um die bösen Winterdämonen zu vertreiben. Die heidnischen Masken und Verkleidungen blieben auch in der christlichen Zeit erhalten, die Symbole wurden aber den christlichen Bedürfnissen angepasst.

 

Im mittelalterlichen Europa vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts veranstaltete man in Kirchen und Klöstern „Narrenfeste“ - zuerst Anfang Januar, am Epiphaniastag, dann in der Fastnacht. Einmal im Jahr durften die strengen Regeln des klösterlichen und kirchlichen Lebens ungestraft gebrochen, ja sogar verhöhnt werden– wie beispielsweise in der Eselsmesse: Alle Beteiligten trugen Tierkostüme, ein „Narrenbischof“ hielt die Messe, statt Messgesang erklangen Tierlaute und zweideutige Lieder in der Kirche. Die Kirche duldete die ausartenden Feste als mahnendes Negativbeispiel, in der kirchliche Hierarchien auf den Kopf gestellt und Rituale verspottet wurden. So tauschten die unteren Kleriker Rang und Privilegien mit den höheren Geistlichen, sogar ein „Narrenpapst“ wurde gewählt. Die Einwohner der Städte wurden durch die Prozessionen am Fest beteiligt.

 

Im deutschen Raum wurde die Fastnacht insbesondere im 14. und 15. Jahrhundert gefeiert. Die gotteslästernden Ausschweifungen in der Fastnacht sollten die Herrschaft des Teufels symbolisieren – die jedoch nur einen Tag anhielt, was die Vergänglichkeit des Teufels und des Menschen zeigte: Denn am Aschermittwoch war ja alles vorbei...! Dies  verdeutlichte die unausweichliche Umkehr zu Gott und seinen Sieg. Durch die Fastenzeit begann eine Zeit der Reue und Vergebung. Der Spruch der Fastenzeit „carne vale“, der „Fleisch lebe wohl“ bedeutet, ist Ursprung des Wortes „Karneval“.

 

Die Reformation schaffte die Fastenzeit ab. Deswegen verlor die Fastnacht und deren Bräuche bei den protestantischen Gläubigen ihre Bedeutung und überlebte fast nur in den katholisch geprägten Gebieten.

 

Im Barock und Rokoko entfernte man sich von der christlichen Tradition der Fastnacht und feierte rauschende Masken- und Kostümbälle auf Schlössern und Fürstenhöfen, inspiriert von den Figuren der italienischen Comedia dell’Arte  


Die Entwicklung zum Straßenkarneval ist den Handwerkszünften in den Städen des 18. Jahrhunderts zu verdanken. Sie verkleideten sich und veranstalten satirische Aufführungen insbesondere vor den Häusern  reicher Bürger. Auf witziger und ironischer Weise konnten sie an den Hierarchien der Stände rütteln und wurden am Ende sogar von den reichen Bürgern bewirtet.