2x11 Jahre (1973 - 1984)

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Chronik

1974

Bereits im folgenden Jahr 1974 konnte mit zahlreichen jungen Leuten mit einem kleinen Umzug die Wieder-Auferstehung gefeiert werden.

 

1975

Es ging wieder bergauf. 1975 kam schon ein recht stattlicher Faschingszug mit mehreren geschmückten Wagen, die hauptsächlich von der Jugend gestaltet waren, zustande.

 

1976

War bereits wieder reger Zuspruch aus der Bevölkerung spürbar. Es hatte sich für das kleine Häuflein von Idealisten, unter Führung ihres Oberschouten Ottmar also doch gelohnt, die Durststrecke der vergangenen Jahre zu überwinden. Es entstand die Idee, den diesjährigen Faschingsdienstag im Rahmen eines großen Zigeunerlagers zu begehen. Ein Schwein sollte am Spieß gebraten werden. Das dafür benötigte Geld wurde am Faschingswochenende bei den örtlichen Veranstaltungen gesammelt und die so aufgebrachte Summe konnte sich sehen lassen.

Am Faschingsdienstag ging es dann hoch her:

Rund um den Festplatz waren bunte Wäschestücke aufgehängt. Nach dem ideenreichen und originellen Umzug unter großer Beteiligung der Bevölkerung versammelte man sich rund um das Zigeunerlager. Dem Ansturm nach dem kostenlos angebotenen Schwein am Spieß, nach gebratenen Eiern, Kartoffel- und Leberwürsten sowie dem Nationalgetränk „Zigeunerglut“ konnte man kaum Herr werden.

Nachdem bereits in den letzten Jahren untrügliche Zeichen für eine wiedererwachende Begeisterung, vor allem seitens der Jüngeren, erkennbar waren, wagte der nimmermüde Oberschoute Ottmar Breunig am 11.11.1976 den Schritt in die richtige Richtung: Er lud zu einer närrischen Bürgerversammlung ein. Es gelang einen neuen Elferrat zu wählen, der während der folgenden Kampagne regieren sollte. Nun galt es, auch einen finanziellen Grundstock zu legen: Sammelbüchsen gingen durch die Menge und erbrachten an diesem Abend den stattlichen Betrag, von immerhin 153,42 DM. Die Spendenaktion wurde während der ganzen Faschingszeit erfolgreich fortgesetzt.

 

1977

 

Im Januar 1977 konnte bereits ein närrischer Kappenabend mit tollen Einlagen veranstaltet werden, der großen Anklang bei der Bevölkerung fand.

Zweites größeres Ereignis war der Faschingsdienstag, der von den Aktiven mit dem Sturm aufs Rathaus begangen wurde, die, bewaffnet mit Rechen, Schaufeln und Besen den Bürgermeister zur Kapitulation vor dem Prinzen Carneval bewegen und sich den Rathausschlüssel aushändigen ließen. Alle Hausfrauen waren für diesen Tag zum Streik am Herd aufgerufen worden. Die CCR-Speisekarte bot u. a. Kesselfleisch und Kartoffelwurst. Auch ein Umzug mit zahlreichen Wagennummern und Fußgruppen unter dem Motto „Rüdenau 1877 – Rüdenau 1977“ war von den Carnevalisten auf die Beine gestellt worden. Der Bann schien gebrochen: der Zuspruch aus der Bevölkerung ließ neue Hoffnungen erwachen. Erstmalig fand in diesem Jahr am Aschermittwoch eine Trauerfeier bei Heringssalat und Pellkartoffeln für alle Aktiven der Fasnacht statt.

 

Durch die Erfolge in der Faschingssaison ermutigt, und um ein kleines Polster für die Vereinskasse zu schaffen, entschloß man sich im Juni zu einem 3-tägigen Gartenfest, bei dem bereits zahlreiche Abordnungen von Carnevals-Vereinen aus der Umgebung begrüßt werden konnten, die wohl neugierig auf das neu erwachte Leben der Klammhörnli waren.

 

 

Die Kampagne 1977/78 begann gleich mit einem Paukenschlag. Nach der offiziellen Eröffnung der Fasnacht am 11.11. um 11:11 Uhr war für den Abend eine Veranstaltung angesagt, die tiefstapelnd als „Bunter Abend“ bezeichnet wurde. Was die Klammhörnli in diesem Jahr auf die Beine gestellt hatten, war super: auf Initiative von Ottmar Breunig hatte sich eine Prinzengarde formiert: zum ersten Mal konnte ein Prinzenpaar (Prinz Ludwig I. und Prinzessin Luise I.) vorgestellt werden, das über die ganze Kampagne regieren würde, und zündende Büttenreden begeisterten das Publikum. Bereits der Kartenvorverkauf war ein solcher Erfolg, dass man sich kurzfristig zu einer Wiederholung des Programms entschloß, um allen Interessierten den Besuch des „Bunten Abends“ zu ermöglichen.

Der farbenfrohe Umzug am Faschingsdienstag unter Beteiligung der Ortsvereine hatte „Märchen“ zum Thema. Anläßlich des Straßenfestes wurde feierlich das Straßenschild „Prinz-Rüde-Platz“ enthüllt und die Taufe durch das Prinzenpaar vorgenommen. Jedoch musste das Schild am Ende der Faschingskampagne wieder entfernt werden. Im April wurde zum ersten Mal nach dem langen Winterschlaf eine ordentliche Mitgliederversammlung einberufen, der Verein erhielt eine neue aktualisierte Satzung, und Reinhold Leis übernahm für die beiden folgenden Jahre die Vereinsführung.

 

 

1978

Das Sommerfest im August 1978 wurde gar von Radio „Bayern 3“ angekündigt. Mehrere Garde-Auftritte, das „pfundige“ „Sextonnen“-Ballett aus Trennfurt sowie humoristische Einlagen beim Bierabend waren Höhepunkte des 3-tägigen Festes. Onkel Ottmar überreichte dem Präsidenten Paul Hildenbrand ein lebendes Ferkel, das auf den Namen Moritz getauft wurde, mit dem Auftrag dieses zu mästen. Der Elferrat präsentierte sich beim Festzug in neu erstandener, schmucker Uniform. Beim anschließenden Festkommers wurde dem ehemals federführenden Rüdenauer Fasnachter Franz Schneider die Würde des Ehrenpräsidenten sowie dem ältesten aktiven Mitglied Ludwig Grimm die eines Ehrenmitglieds verliehen. Für das leibliche Wohl der Festgäste wurde eine Hausschlachtung durchgeführt und die so gewonnenen Fleisch- und Wurstwaren zum Verkauf angeboten.

 

 

1979

Die Faschingskampagne 1978/79 wurde mit der Inthronisation des Prinzenpaares eröffnet. Jeder Elferrat erhielt einen Ministerposten im närrischen Kabinett und musste den Amtseid leisten. Bei den beiden Prunksitzungen im überfüllten Sternsaal waren Jubel, Trubel und Heiterkeit Trumpf. Premiere hatten die „Flamingo-Senoritas“, das Damenballett als neue Attraktion am CCR Star-Himmel.

Beim großen Gaudiwurm am Faschingsdienstag mit dem Thema „Fasching International“, waren alle Nationen von Afrika bis Russland vertreten. Das „Super-Klammhörnle“, ein Motiv-Fahrzeug, das aus einem VW-Bus entstand, fand seinen ersten Einsatz. Das bunte Treiben am Prinz-Rüde-Platz ging bis in die frühen Abendstunden. Grösste Attraktion des CCR-Sommerfestes im Juni 1979 waren zweifelsohne die „Lausdirndl“ aus München, die mit ihren Tänzen und Gesangseinlagen das Publikum zum Toben brachten. Am Sonntag fand erstmals ein Garde-Freundschaftstreffen statt, zu dem sich Carnevalsvereine von Frankfurt bis München einstellten. Auch der FEN-Deutschland-Präsident Otto Heinicke konnte begrüßt werden.

 

1980

In der Kampagne 1979/80 hielt die Emanzipation auch beim CCR ihren Einzug. Bei den Prunksitzungen zog nach der Pause ein Damen-Elferrat auf die Bühne. Ein Männerballett bildete sich, und die zugkräftige Truppe sorgt seither mit zündenden Ideen, tänzerischem Können und tollen Gags für den Abschluß einer jeden Prunksitzung. Das Blödel-Duo „Nobby und Nella“ fand sich zusammen und verbreitete viele Jahre Frohsinn und Humor, bis weit ins badische Ländle und vertrat so die Farben des CCR.

 

„Beliebte Fernsehsendungen“ waren das Thema des Faschingsumzuges 1980. Es hatte sich inzwischen in der näheren und weiteren Umgebung herumgesprochen, dass „Klammhörnleshausen“ als Faschingshochburg zu betrachten und die Gaudi am Faschingsdienstag im ganzen Landkreis einmalig war. So fanden sich unzählige Zuschauer aus nah und fern zu diesem Ereignis ein und genossen das bunte Faschingstreiben rund um den Prinz-Rüde-Platz.

 

Im Mai 1980 trat der CCR, jetzt unter der Vorstandschaft von Klaus Abb, dem Narrenring Main-Neckar als Mitglied bei. Für das Sommerfest 1980 im bayrisch geschmückten Festzelt konnten dem Publikum Auftritte bedeutender Garden, so z.B. aus Osterburken, Frankfurt-Niederrad, Frankfurt-Unterliederbach, aber auch aus der näheren Umgebung präsentiert werden. Höhepunkt war die Darbietung des Tanz-Mariechens aus Aschaffenburg, die bei den Deutschen Meisterschaften den 3. Platz errungen hatte. Montags sorgte die bayerische Trachtenkapelle „Die Obernburger“ mit Conferencier Franz Pilzweger für einen zünftigen Bayerischen Bierabend. Im September 1980 fuhren 23 CCRler auf Einladung von FEN-Regionalpräsident Horst Dausch zu einem Freundschaftstreffen nach Aywaille in Belgien. Doch der angesagte Umzug und der „Bunte Abend“ waren enttäuschend – nicht zu vergleichen mit dem, was man in Rüdenau gewohnt war. Das Protokollbuch berichtet, dass bei Rotwein und Sekt in der Herberge der Klammhörnli die Stimmung größer als bei den offiziellen Veranstaltungen gewesen sein soll.

 

 

1981

Die Faschingseröffnung 1980/81 erlebte der CCR-Präsident Paul Hildenbrand bedauerlicherweise im Krankenhaus. Doch Garde und Abordnung des Elferrates ließen es sich nicht nehmen, ihm die frohe Kunde dorthin zu überbringen.

 

„In Rüdna sind die Nächte lang“ hieß es bei den beiden Prunksitzungen. Wie wahr! Die Leitung der Sitzungen hatte kurzfristig Leo Bischof übernommen, der die Veranstaltungen, die fast ausschließlich von „Eigengewächsen“ gestaltet worden, souverän moderierte. Wiederum hatten zwei neu formierte Gruppen ihre Premiere: die „Mini-Garde“ sowie die „Scheuerbusch-Spatzen“, die sich auf Anhieb in die Herzen der Zuschauer sangen und fester Bestandteil der Prunksitzungen wurden. Beim Faschingszug unter dem Motto „Narren, die Geschichte machten“ waren von Steinzeitmenschen bis zu Weltraumfahrern alle Epochen vertreten. Nur mühsam konnte sich der Gaudiwurm, bei dem sich wieder alle Ortsvereine beteiligten durch die riesige Zuschauermenge bewegen. Anläßlich des 30jährigen Gründungsfestes des befreundeten Hausener Carneval-Vereines übernahm der CCR in einem Festakt die Patenschaft für diesen Verein. Ein Vereinsausflug führte über 50 Klammhörnli im September 1981 zum Altstadtfest nach Nürnberg. Mit von der Partie waren auch Ehrenpräsident Franz Schneider sowie Ehrenmitglied Ludwig Grimm.

 

 

1982

Die Veranstaltungen des CCR erfreuten sich immer weiter wachsender Beliebtheit – so war es nicht verwunderlich, dass bei den Prunksitzungen 1982 die Narhalla im Sternsaal selbst bei zwei Veranstaltungen lange nicht alle interessierten Zuschauer fassen konnte. Die Nachfrage nach Karten war so riesig, dass man sich kurzfristig dazu entschloß, eine dritte Prunksitzung abzuhalten. Der Faschingsdienstag unter dem Motto „20 Jahr Humor und Freund – die Klammhörnli sind halt lustige Leut“ lockte wieder tausende von Besuchern zum bunten Faschingstreiben am Prinz-Rüde-Platz und zum Faschingszug.

Die Weihe der neuen CCR-Standarte sollte Höhepunkt des 20jährigen Jubiläumsfestes 1982 sein. Da die Fahnenweihe jedoch nicht in Rüdenau stattfinden konnte, hatte der neue und engagierte Vereinsvorsitzende Ludwig Blaser dafür Sorge getragen, dass dieser Festakt „im Ausland“ vorgenommen wurde. Der Carneval-Club Blau-Gelb Höchst, der die Patenschaft übernahm und damit eine jahrelange Freundschaft besiegelte, hatte angeboten, die Standarte in Höchst weihen zu lassen.

 

 

1983

Auf die Kampagne 1983, die in gewohnter Tradition mit Prunksitzungen und Faschingstreiben erfolgreich gestaltet wurde, folgte 1983/84 das närrische Jubiläum unter dem Motto: „Rüdenau schunkelt, Rüdenau lacht bei 2 x 11 Jahren Fasenacht“. Den Auftakt bildete am 11.11.1983 ein „Bunter Abend“, der Höhepunkt aus vorjährigen Sitzungen Revue passieren ließ. Es folgten drei Prunksitzungen, bei denen – getreu dem diesjährigen Motto – in der Narhalla ganz Rüdenau schunkelte und lachte. Die neu gegründete „Mini-Garde“, die dritte Garde des CCR, feierte ihr Debüt mit einem echten „Klammhörnli-Tanz“.

 

1984

Höhepunkt der Jubiläumskampagne – und gleichzeitig der gesamten bisherigen Vereinsgeschichte des Carneval-Clubs – war jedoch das Ereignis am Faschingssonntag: der Kreis-Umzug, der sich mit rund 900 Beteiligten durch die bunt geschmückten Straßen der kleinsten Gemeinde des Landkreises, und vorbei an Zehntausenden von Zuschauern schlängelte. Viel Organisationstalent, Einsatz und Idealismus waren erforderlich, um zunächst unüberwindlich scheinende Hindernisse, vor allem im Hinblick auf die örtlichen Gegebenheiten, zu überwinden. Doch allen Skeptikern und Spöttern zum Trotz – und nicht zuletzt durch die Unterstützung aller Ortsvereine und der gesamten Einwohnerschaft konnte dieses große Ereignis erfolgreich und zur Zufriedenheit aller beteiligten Carnevalsvereine des Landkreises gemeistert werden. Ein großer Tag für den Carneval-Club und die Gemeinde Rüdenau. Die Zeitung „Bote vom Unter-Main“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 05. März 1984.

 

Im Sommer diesen Jahres übernahm der CCR die Patenschaft anlässlich der Fahnenweihe der Stadtgarde Offenbach.